Ausgabe 1/14

Gibt es Wunder­heiler wirklich, Herr Dr. von Hirsch­hausen


In der Rubrik „in der Garderobe mit...“ kommen Künstler zu Wort, die im Rosengarten auftreten und einen kleinen Einblick in ihre Welt geben.

Im Rosengarten finden häufig medizinische Kongresse statt. Besuchen Sie selbst auch noch solche Veranstaltungen?
Einmal Doktor, immer Doktor! Ich bin sehr gerne bei Kongressen und Fortbildungsveranstaltungen, weil ich erstens gerne dazulerne und zudem auch sehr oft als Redner und Impulsgeber gebucht werde. Die Themen wie Arzt-Patienten-Kommunikation, seelische Gesundheit oder die große Frage, wie man mehr Menschen motiviert, gesünder und lebensfroher zu leben, gehen alle an. Und die beste Forschung nutzt nichts, wenn die Erkenntnisse nicht bekannt werden, und sich keiner an die ärztlichen Ratschläge hält. Gesundheit findet im Leben statt!

Was macht für Sie einen guten Mediziner aus?
Ein Arzt, der sich Zeit nimmt, zuhört und Fragen stellt. Und der auch mal Rituale verordnet und abwartet und so dem Patienten mit etwas Unschädlichem die Zeit vertreibt, die der Körper braucht, um sich selbst zu helfen.

Sie haben mit HUMOR HILFT HEILEN eine eigene Stiftung. Ist Lachen tatsächlich die beste Medizin?
JA! Zum Glück sagt das nicht nur der Volksmund, sondern auch die Wissenschaft. Die positiven Wirkungen des Lachens muss man ernst nehmen, so absurd es klingt. In den letzten Jahren gibt es eine Revolution in den Gesundheitswissenschaften und der Psychologie. Endlich wird nicht nur geschaut, was die Menschen krank macht, sondern auch, was sie gesund hält und vor seelischen Belastungen schützt. Und da sind Humor, seine eigenen Stärken nutzen und Freunde die zentralen Schutzfaktoren. Deshalb freue ich mich ja auch, in einer neuen Kunstform, dem medizinischen Kabarett, gesunde Ideen mit viel Spaß vielen Menschen weiterzugeben.

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Arzt?
Mir schilderte einmal ein Arzt in einer Kinderklinik eine Beobachtung während einer Zaubershow von mir. Ich war 1997 auf einer Tour durch Krankenhäuser für einen Radiosender, der meine Auftritte sponsorte. Ein Junge war schon länger in Behandlung mit „selektivem Mutismus“, einer seelischen Störung, bei der Kinder aufhören zu sprechen. Dieser Junge war Teil der Gruppe, für die ich auftrat. Und alle Kinder wurden involviert in die Zauberei, mussten laut zählen, pusten und mitmachen. Der Junge „vergaß“ seine Störung und machte munter mit. Ich bilde mir nicht ein, dass es der entscheidende Moment für ihn war, dazu hat es viel gebraucht. Aber vielleicht war es genau der kleine Anstoß, der noch fehlte, um seine Heilung voran zu bringen. Und seitdem nehme ich die Rolle von Humor, Musik, Kunst und anderen Wegen uns zu „verzaubern“ in ihrer Bedeutung für die Heilung viel ernster.

Ihr Programm heißt Wunderheiler. Gibt es die tatsächlich?
Jeder Mensch kann ein „Wunderheiler“ sein! In jedem Menschen stecken Selbstheilungskräfte, das beweist der Placeboeffekt. Dummerweise können wir uns aber mit der gleichen Kraft, wenn wir sie gegen uns wenden, auch krank machen. Und darum geht es in meinem Programm: Warum glauben wir so gerne völligen Unsinn, und wann sind positive Illusionen hilfreich? Und ich knüpfe an eine alte Leidenschaft von mir an, die Zauberei. Denn diese Kunst zeigt uns, wie leicht sich unser Verstand täuschen lässt, und wie wir wieder das Wundern lernen.

Wenn Sie jemand fragt, was Sie beruflich machen, was antworten Sie?
Ich bin ein moderner Medizinmann, der mit Musik, Humor und den Mitteln von Bühne und Fernsehen versucht, gesunde Ideen so zu verpacken, dass sie ankommen. Nicht nur im Kopf, sondern auch im Bauch und im Herz. Das ist meine Kunst, dabei nutze ich meine Stärken. Ich war auch gerne im Krankenhaus tätig, aber wenn ich auf der Bühne stehe und an einem Abend manchmal 3.000 Menschen erreiche, dann ist das inhaltlich gar nicht so viel anderes, als das, was ich Patienten in der Psychosomatik erzählen würde. Doch dort müsste ich mit jedem einzeln reden, wofür ich einfach viel zu ungeduldig bin. Und wenn mir heute im Fernsehen Millionen Menschen zuhören, dann hätte ich für den gleichen Effekt in der Klinik sehr viele Jahre gebraucht. Ich habe also nur neue Verbreitungswege entwickelt, um Menschen klar zu machen: Viele unserer körperlichen und seelischen Probleme haben mit der Lebensführung zu tun, und damit, wie wir mit uns und anderen umgehen. Und Gesundheit ist Lebensfreude!

Was unterscheidet für Sie als Künstler eine Live-Show von einer Fernsehsendung?
Die intensivste Begegnung mit dem Publikum habe ich natürlich auf der Bühne. Die Menschen dort haben Geld bezahlt und sich auf den Weg zum Theater gemacht. Die haben eine positive Erwartungshaltung und sind auch viel offener, sich auf Dinge einzulassen. Mein Wunsch ist es, die starken Momente, die ich auf der Bühne erlebt habe, hinein ins Fernsehen zu transportieren. Fernsehen ist immer ein Medium – es steht also immer etwas zwischen dir und dem Empfänger. Das ist die Kamera, die Mattscheibe, die Entfernung und alles, was sonst noch im Wohnzimmer passiert. Vor dem Fernsehbildschirm sind die Menschen tendenziell abgelenkter und zappen auch hin und her. Der Riesenvorteil ist allerdings, dass man sehr viele Menschen erreichen kann, die sich normalerweise nicht für das Thema interessiert hätten und nicht zu mir ins Theater gekommen wären. Der Printjournalismus, den ich auch sehr liebe, hat einen anderen großen Vorteil. Hier kann der Leser sein Tempo selber bestimmen. Beim Fernsehen muss ich mich ja an den Leuten orientieren, die tendenziell etwas länger brauchen, um etwas zu verstehen. Beim Zeitungslesen kann man jedoch zurückspringen und auch Pointen verstehen, die sich vielleicht erst beim zweiten Lesen erschließen. Der Vorwurf, dass Fernsehen platt ist, liegt nicht nur an den Flachbildschirmen, sondern auch an der Tatsache, dass es sich hier um ein Medium handelt, das sich an viele Millionen Menschen gleichzeitig wendet.

Was wünscht sich ein Künstler von seinem Publikum?
Man könnte denken, es wäre der Applaus. Für mich ist das größte Geschenk: Stille! Wenn es gelingt, dass Tausende von Menschen gleichzeitig die Luft anhalten oder berührt sind, oder einen Gedanken nachvollziehen, sind diese Momente an Intensität nicht zu übertreffen. Und natürlich das gemeinsame Lachen, wenn man eine Pointe setzt und wie bei einer kleinen Bombe formlich spürt, wie die Lunte gelegt ist und Sekunden später in den Köpfen explodiert es! Herrlich!

Sie waren mittlerweile schon öfter in Mannheim. Gibt es ein besonderes Erlebnis, das Sie mit der Stadt verbinden?
Durch mein Studium in Heidelberg kenne ich Mannheim gut. Meine ersten Auftritte hatte ich in der Feuerwache und der Klapsmühle. Vor meinem letzten Auftritt war ich im „ZI“, im Zentralinstitut für seelische Gesundheit. Ein befreundeter Psychiater zeigte mir, wie sich die Arbeit in den letzten 20 Jahren verändert hat. Und wie nach wie vor die seelische Gesundheit nicht so wichtig genommen wird wie die körperliche. Auf der Station für traumatisierte und Borderline- Patienten wurde ich umlagert und gleich eingeladen zu der nächsten gemeinsamen Sitzung im Achtsamkeitstraining. Eine Patientin schenkte mir sogar ihr Armband, mit dem sie sich immer beruhigte, als Glücksbringer. Das hat mich sehr gerührt.

Das Interview führte Marion Treu

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Dr. Eckart von Hirschhausen (Jahrgang 1967) …

…studierte Medizin und Wissenschaftsjournalismus in Berlin, London und Heidelberg. Seine Spezialität: medizinische Inhalte in humorvoller Art und Weise zu vermitteln, gesundes Lachen mit nachhaltigen Botschaften. Seit über 15 Jahren ist er als Komiker, Autor und Moderator in den Medien und auf allen großen Bühnen Deutschlands unterwegs. Durch die Bücher „Arzt-Deutsch“, „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ und „Glück kommt selten allein“ wurde er mit über 5 Millionen Auflage erfolgreichster Sachbuchautor 2008 und 2009. Im September 2012 erschien sein neues Buch „Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist“. Im November 2013 feierte er mit seinem neuen Programm „Wunderheiler“ Premiere und ist seitdem wieder auf Tour durch ganz Deutschland. Im NDR führt er monatlich durch die Talksendung „Tietjen und Hirschhausen“, in der ARD moderiert Eckart von Hirschhausen die Wissensshows „Frag doch mal die Maus“ und „Hirschhausens Quiz des Menschen“.

2008 gründete er seine eigene Stiftung HUMOR HILFT HEILEN für mehr gesundes Lachen im Krankenhaus.

Mehr über Eckart von Hirschhausen erfahren Sie unter: www.hirschhausen.com
www.humorhilftheilen.de

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