Ausgabe 1/14

Brasilien

Fußball und noch so viel mehr

Wenn einem Fußballfan Brasilien in den Sinn kommt, denkt er zuallererst an die fünf Weltmeisterschaften, die die Seleção gewonnen hat. In diesem Jahr kommen die 32 besten Teams des Planeten im Land des Rekordweltmeisters zusammen, um unter ihnen das allerbeste auszumachen. Aber Fußball ist nicht alles in Brasilien und es gibt mehr als nur Rio de Janeiro oder São Paulo.

Fällt das Stichwort Brasilien, so ist auch immer ein Gedanke an Sommer, Sonne, Strände und braungebrannte Körper schnell im Kopf. Vor allem im Norden sieht man diese erfüllt. Dort wird auch die deutsche Nationalmannschaft im eigens erbauten Campo Bahia in der Nähe von Porto Seguro residieren und den Weg zum vierten Titel ebnen. Die DFB-Auswahl hat sich so einen Platz im wunderschönen, sonnigen und warmen Bahia gesichert. Im Sommer bis zu 34 Grad Celsius, im Winter noch immer zwischen 18 und 24 Grad Celsius. Besser kann man vier Wochen im Sommer nicht verbringen. Aber jetzt kommen wir bereits von den Klischees weg. Denn auch wenn Porto Seguro und der Bundesstaat Bahia im Besonderen diese bedient, so hat die Stadt viel mehr zu bieten. Die Stadt am Hafen ist eine der ältesten Brasiliens. Pedro Álvares Cabral, ein portugiesischer Eroberer, betrat hier am 22. April 1500 das erste Mal brasilianischen Boden. 34 Jahre später wurde schließlich Porto Seguro gegründet. Die Geschichte spiegelt sich auch im Stadtbild wieder. Der Kolonialstil prägt das Leben, die traditionelle Industrie und die Landwirtschaft sind die Hauptarbeitgeber in der Region. Kokos, Cashew und Eukalyptus werden angebaut, ebenso wie die Viehzucht und die Fischerei das Bild der ländlichen Umgebung bestimmen.

Die einstigen Kolonien werden die Mannschaft um Bundestrainer Joachim Löw in der gesamten Gruppenphase begleiten. Vor allem im ersten Spielort Salvador werden sich die Kicker um Philipp Lahm und Co. der Geschichte Brasiliens bewusst werden.

Hier gründete die portugiesische Krone am 29. März 1549 die erste Stadt auf brasilianischem Boden. Salvador diente früher als Umschlagsplatz für Sklaven. Diese Geschichte wird noch heute geatmet. Größtes Wahrzeichen der Stadt ist der Pelourinho, das historische Zentrum Salvadors. Farben bestimmen die Bauten und wurden von der UNESCO bereits 1985 zum Weltkulturerbe erklärt. Etwas ganz Besonderes und was jeder Besucher Salvadors sehen muss, ist der Aufzug Elevador Lacerda. Er verbindet die zwei Teile der auf zwei Ebenen einer Bergkette gelegenen Stadt. So kann man von der Cidade Baixa (Unterstadt) problemlos in die Cidade Alta (Oberstadt) gelangen. Begleitet wird man überall von Capoeira oder den Klängen der Percussion-Instrumente Agogôs und Atabaques. Afrika lebt in Salvador!

weitblick_final-27

Häuser in Pelourinho

 

Ein weiterer Halt der deutschen Nationalmannschaft in der Vorrunde wird Recife, die Hauptstadt des Nordostens, sein. Hier leben in einer fußballverrückten Region bis zu 3,7 Millionen Menschen. Anfangs war Recife nur ein „Beiwerk“ – nämlich der Atlantikzugang der Stadt Olinda. Besuchen muss man heutzutage beide Orte. Die Basílica de São Bento und das Kloster Convento de São Francisco sind ein Muss in Olinda, ebenso wie die Kirchen Igreja de Nossa Senhora da Graça und Igreja da Sé. Der Panoramablick auf Recife, der sich von den Kirchen aus bietet, ist das perfekte Fotomotiv fürs heimische Album. Nicht vergessen sollte jeder Besucher die Straßen Saldanha Marinho, do Amparo und Ladeira da Misericórdia. Was Rio de Janeiro weltweit für den Karneval ist – in Olinda ist es die Kreuzung Quatro Cantos. Sie bildet hier den Fixpunkt der Karnevalsfeste.

Zurück in Recife, lohnt ein genauer Blick. Denn Johann Moritz von Nassau-Siegen befehligte im 17. Jahrhundert den Bau von Brücken, Kanälen und Dämmen. Heute ist es daher auch als „Venedig Brasiliens“ bekannt. Neben den Kanälen ist ein Besuch einer der schönsten und berühmtesten Strände Brasiliens eine Pflicht. Der Strand Boa Viagem ebnet mitten in der Hauptstadt Pernambucos den Weg in den Atlantik. Noch berühmter ist allerdings der Porto de Galinhas, knapp 70 Kilometer von Recife entfernt.

weitblick_final-26

Fortaleza

 

Der letzte Halt der deutschen Nationalmannschaft bevor es in die K.o.-Runde geht, ist Fortaleza. Früher als Festung der niederländischen Krone „Schoonenborch Fort“ genannt, wurde die heutige Stadt 1726 gegründet und 1799 Hauptstadt des Bundesstaates Ceará. Bekannt ist sie vor allem wegen des Strandes „Praia do Futuro“. Der „Strand der Zukunft“ ist mehr als nur einen Besuch wert. Die sogenannten Barracas beherbergen Köstlichkeiten der Region. Ob Meeresfrüchte oder exotisches Obst, in den kleinen kioskähnlichen Restaurants kann man sie genießen. Die Promenade „Beira Mar“ lädt zum Verweilen und Schmökern ein. Tagtäglich stellen Handwerker ihre Arbeiten und Kunstwerke vor.

Denkt man nun, die Spielorte der DFB-Elf sind europäisch geprägt, dann wird man von der südlichen Region, vor allem Rio Grande do Suls, überrascht sein.

Ob nun ein Elektronikgeschäft Wissmann oder ein Fotostudio Neumann. Im südlichsten Bundesstaat Brasiliens wird deutsch gesprochen und die Kultur noch immer gelebt. Eine „Hochburg“ des Deutschtums ist die Region von der Hauptstadt in Richtung Nova Petrópolis. Hier wird Bier mit den Namen „Edelbrau“ gebraut oder von einer ansässigen Bäckerei Berliner Brot gebacken. Vor allem für deutsche Touristen lohnt sich eine Reise in die zur Zeit der WM aber recht kühle Region. Die Einwanderung aus Deutschland hat hier Spuren hinterlassen. Während die Kolonialbauten im Norden an Portugal erinnern, fühlt man sich im Süden mehr in die von Fachwerkhäusern gesäumten Straßen des Harzes hineinversetzt. Bei der Entdeckung der Spuren können auch die deutschsprachigen Einwohner helfen, die oftmals zwar kein Hochdeutsch, aber ein sehr verständliches Riograndenser Hunsrückisch oder Pommeroder Platt sprechen.

Mate Tee

Mate-Tee

 

Neben den vielen deutschen Einflüssen ist aber auch der der benachbarten Argentinier deutlich zu spüren. Chimarrão, eine besondere Teezubereitung des Mate-Strauchs, wird von nahezu allen Bewohnern getrunken und die Gauchos bestimmen, je weiter man in Richtung Grenze fährt, das Straßenbild. Was es überall in Rio Grande do Sul gibt, sind die von Argentinien geprägten Churrascarias. Fleisch in Hülle und Fülle, in den verschiedensten Kreationen gegrillt und ein Büffet mit Salat, Lasagne und anderen Beilagen.

In Porto Alegre, wo auch die argentinische Nationalmannschaft zu ihrem letzten Gruppenspiel gegen Nigeria antritt, sind um das Stadion Gigante do Beira-Rio gleich mehrere solcher Grillrestaurants. Während der Umbaumaßnahmen sind sie noch von den Arbeitern bevölkert. Das Essen ist reichhaltig und ‒ vor allem für Touristen wichtig ‒ bezahlbar.

Estádio do MaracanãEstádio do Maracanã in Rio de Janeiro

 

Die Elf von Joachim Löw könnte als Gruppensieger auch in der „Heimat“ antreten. Verfolgt man die deutsche Nationalelf auf ihre Reise durch Brasilien sollte man in jedem Fall genug Zeit an den Spielorten einplanen. Neben den Metropolen im Norden und Rio Grande do Sul könnte im besten Fall zweimal eine Partie im Estádio Jornalista Mário Filho, besser bekannt als Maracanã, auf dem Reiseplan stehen. Für jeden Fußballfan ist dieses Stadion eine Kathedrale. Für andere ist es ein Highlight von vielen in der Karneval-Hauptstadt.

Und das nötige Kleingeld darf nicht fehlen. Vor allem in Rio de Janeiro sind die Hotelkosten in ungeahnte Sphären gestiegen. Auch ein kleines Getränk am Strand kostet schnell zehn Euro.

Download Spielplan WM 2014 (PDF, 565 KB)

Text: Fabian Biastoch, Blogger und Brasilienkenner


Stadien und Austragungsorte im Überblick

Belo Horizonte
Estádio Mineirão

Brasília
Estádio Nacional

Cuiabá
Arena Pantanal

Curitiba
Arena da Baixada

Fortaleza
Estádio Castelão

Manaus
Arena Amazônia

Natal
Estádio das Dunas

Porto Alegre
Estádio Beira-Rio

Recife
Arena Pernambuco

Rio De Janeiro
Estádio do Maracanã

Salvador
Arena Fonte Nova

São Paulo
Arena de São Paulo

Wir verwenden Cookies, die es uns ermöglichen, die Benutzung der Webseite zu analysieren. So können wir die Seite weiter verbessern. Durch die Nutzung unserer Webseite stimmst Du der Nutzung von Cookies zu.

» OKAY » In unserer Datenschutzerklärung finden Sie mehr Informationen und können die Cookies deaktivieren.