Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e.V.

Michał Nesterowicz (Dirigent)
Rafał Blechacz (Klavier)
Witold Lutosławski (1913–1994): Kleine Suite
Frédéric Chopin (1810–1849): Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll op. 11
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847): Symphonie Nr. 3 a-Moll op. 56 (MWV N 18)

Er war ja schon einmal da. 2018 war das. Mit diesem unerhört melodiösen Brahms. Mannheim staunte, so etwas hatte man noch nie gehört. Darf man Brahms überhaupt so interpretieren? Die rekordverdächtig vielen eingeheimsten Preise spielten für Rafał Blechacz nie die ganz große Rolle – der Klang ist es, der ihn antreibt. Irisierend, feenhaft, aus himmlischen Sphären herübergeweht? „Mit Worten ihn beschreiben hieße scheitern“, stellte der Beirat der Musikalischen Akademie fest und versuchte lieber, ihn schnellstmöglich wieder einzuladen. Endlich ist es gelungen und natürlich mit Chopin, dem Sänger unter den Pianisten. Lassen wir uns erneut in den Bann seines Klanges ziehen, dieser nie greifbaren dunklen Materie …

So volkstümlich die Kleine Suite auch daherkommt – die tatsächlich von Lutosławski bei einem Volksfest aufgeschnappten südpolnischen Melodien sind nur die eine Wahrheit des Werkes. Bei allem Hang zur „leichten“ Musik vergessen wir nicht, dass der Komponist kurz zuvor in Ungnade gefallen war; seine erste Symphonie lehnte die Obrigkeit 1947 als „formalistisch“ ab – im sozialistischen Realismus des Nachkriegspolens zumindest künstlerisch ein Todesurteil. Mit der Kleinen Suite gelang teilweise die Rehabilitation. Doch wer genau hinhört, wird zwischen den Polkas und anderen Tanzweisen den „echten“ Lutosławski stets durchhören. Kritik zwischen den Zeilen!

Nach kaum einem Land verzehren sich die deutschen Romantiker mehr als nach Schottland, Antipode Italien einmal ausgenommen. Sagen, Nebel und blutige Balladen – die Heimat der Maria Stuart wird 1829 auch für Felix Mendelssohn zum Reiseziel. Und wenn man sich hineinbegibt in das Hörabenteuer dieser dritten Symphonie, so staunt man, wie plastisch der junge Mann das alles wegkomponiert hat; im ersten Satz die morbide Kapelle in typisch schottischem Wetter, bevor im zweiten Satz die Klarinette zum Dudelsack mutiert. Mit 20 erlebt, mit 32 aufgeschrieben – Restzweifel sind durchaus angezeigt, ob das alles wirklich so gemeint ist. Nun, ist’s nicht auch völlig einerlei angesichts dieser magischen Klänge? Hören Sie selbst!

Weitere Informationen und Tickets: https://musikalische-akademie.de/konzert/4-akademiekonzert-2021-22